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Wirecard – Ich habe sowas von falsch gelegen!

Hinterher ist man immer schlauer oder wie heißt es? Bei Wirecard habe ich tatsächlich mal so richtig daneben gelegen. Ich finde, dazu muss man auch stehen und man sollte überprüfen, ob man bei der Investmententscheidung einen Fehler gemacht hat. Das will ich in diesem Bericht mal aufarbeiten.

Wie kam es zu dem Investment, wieso habe ich so an dem Unternehmen festgehalten, trotz den Angriffen der Short Seller und den Berichten der Financial Times? Egal wie das Ergebnis am Ende ausfällt, es lohnt sich immer über seine Fehlinvestitionen nachzudenken und noch mehr sich selbstkritisch zu hinterfragen. Nur so, und davon bin ich überzeugt, kommt man überhaupt an der Börse weiter.

Wieso habe ich überhaupt in Wirecard investiert?

Ich habe mich tatsächlich lange von Wirecard ferngehalten. Die Kursteigerungen der letzten Jahre habe ich verpasst. Bevor das kontaktlose Bezahlen immer populärer wurde, habe ich diesen Trend nicht auf dem Schirm gehabt. Ich habe mich also auch nicht weiter mit dem Unternehmen beschäftigt. Hinzu kam, dass ich bis vor einigen Jahren mich nur und ausschließlich mit starken Dividendenzahlern auseinandergesetzt habe. Das hat sich in den letzten 3 Jahren etwas geändert. Ich habe mich und meinen Investmentstil, so wie es vermutlich jeder macht, weiter entwickelt.

Dann kam die Apple Watch an mein Handgelenk und die Möglichkeit kontaktlos mit der Uhr überall bezahlen zu können. Es machten immer mehr Leute und das Thema wurde immer häufiger auch in den Medien und einschlägigen Börsenmagazinen behandelt. Da ich aufgrund schlechter Commerzbank Erfahrungen die Finger von Bankenaktien lasse hatte ich in dem Bereich eine Lücke im Depot. Wie diese nun auffüllen? Ich entschied mich für Systemanbieter, die den Fuß ganz weit in der Tür haben. Das war zum einen VISA und zum anderen hatte ich Adyen und Wirecard auf der Liste. Die Story bei Wirecard gefiel mir. Nicht zuletzt, dass ein Mann namens Markus Braun offensichtlich ein so passionierter Manager ist, der es geschafft hat den Laden aus dem Nichts binnen weniger Jahre zu einem weltweit bekannten Konzern zu lancieren. Die Umsätze und Gewinne kannten nur eine Richtung. Durch die vielen unerschlossenen Märkte entpuppte sich die Chance einer Wachstumsrakete. Trotz der schon immensen Kurssteigerungen – da war noch viel Luft für die nächsten Jahre. Ich wagte den ersten kleinen Einstieg mit 5 Aktien zu einem Kurs von 135 Euro.

Die Shortseller kommen

Irgendwann war der Zeitpunkt als die Shortseller angriffen und die Berichte in der Financial Times über Ungereimtheiten in der Bilanz. Für mich war es ein Klassiker. Ich dachte: Hey, wir sprechen hier von einem DAX Konzern. Wen sollte man sich sonst für einen Angriff aussuchen aus dem DAX? Das Geschäft ist verstrickt und man brauch auf der ganzen Welt Subunternehmen oder Partner um die Abwicklung überhaupt darstellen zu können. Das ist schwierig zu durchschauen, auch wenn man alles richtig macht. Ein gefundenes Fressen also. Außerdem war der Preis der Aktie längst auf das Wachstum des Unternehmens ausgelegt. Das heißt, zukünftiges Wachstum war schon eingepreist. Solche Aktien sind immer anfälliger für Volatilität als solche von solide bewerteten Unternehmen wo der Kurs das Geschäft wieder spiegelt. Was habe ich also gemacht? Natürlich nachgekauft!

Warum habe ich an Wirecard festgehalten und was habe ich gelernt?

Ich konnte es einfach nicht glauben. Es war mehr als irrational. Wenn mir klar sein muss, dass man sowas nicht auf Ewigkeit verschleiern kann, müsste es einem CEO eines DAX Konzerns ja schon lange klar sein. Außerdem gab es doch aus jedem Jahr ein Testat und Wirtschaftsbericht der renommierten Wirtschaftsprüfer. Einem DAX Konzern schaut man doch zweimal mehr auf die Finger.

Pustekuchen! Das ist das größte Learning aus der Geschichte. Man kann nicht einmal den Prüfern trauen, dass sie ihren Job richtig machen. Ich habe zu lange die Augen verschlossen im guten Glauben es gäbe zu viele funktionierende Kontrollinstanzen. Mit meinen Möglichkeiten muss ich meinem Bauchgefühl trauen. Aber selbst große Investmentfonds wie die DWS die jederzeit Einblicke im Unternehmen haben können wurden getäuscht.

Ich bin überzeugt davon, dass kein Kleinaktionär den Betrug an sich hätte vorhersehen können, aber ich habe für mich beschlossen, sobald irgendwo Shortseller im großen Stil beginnen eine Aktie zu attackieren, bin ich RAUS! Wir Kleinaktionäre haben noch weniger Einblick als die Big Boys und dann wird so ein Investment schnell zu einem Glücksspiel. Da mir mein Geld zu Schade ist für Glücksspiele lasse ich die Finger zukünftig von solchen Aktien. Es gibt so viele wunderbare Chancen und Unternehmen, es ist nicht nötig so einen Ritt auf der Kanonenkugel zu wagen.

Was habe ich mit den Wirecard Aktien gemacht?

Ich habe sie noch! Bei dem ersten massiven Kursrutsch am vergangenen Donnerstag, dachte ich immer noch, irgendetwas stimmt hier nicht. Wieso kommt der Wirtschaftsprüfer am Tag der Veröffentlichung des Jahresabschlusses erst um die Ecke und sagt „Hey, uns fehlen 1,9 Milliarden Euro“? Ich dachte, es klärt sich auf. Wenn ich jetzt verkaufe, habe ich massive Verluste und morgen geht der Kurs durch die Decke. Am Freitag als dann klar war es gibt keine 1,9 Mrd. bzw. die beiden Banken kennen Wirecard nicht als Kunden war es zu spät um zu Verkaufen. Alles in allem bin ich aber nie groß in Wirecard investiert gewesen. Ich hatte und habe insgesamt 20 Anteile. Bei einem Kurs von 80 Euro kann ich sie +/- 0 verkaufen. Ich habe beschlossen das Dilemma auszusitzen. Ich habe das Geld mental abgeschrieben aber wer weiß: Vielleicht gibt es mit neuem Management irgendwann noch eine Turn Around Story oder ein anderes Unternehmen oder Bank kauft Wirecard.

In diesem Sinne sind meine Gedanken bei denen die hohe Verluste mit Wirecard verkraften mussten. Es zeigt einmal mehr wie wichtig Diversifizierung ist. Setzt nicht alles auf eine Karte. Ein guter Richtwert ist sicherlich, dass keine Position im Depot mehr als 5 %  ausmachen sollte. Ich fahre sehr gut mit max. 2-3 %. Das bedeutet aber auch viel Arbeit, da ich mich kontinuierlich mit mehr Unternehmen auseinandersetzen muss.

Wichtig ist, dass Du nicht den Kopf hängen lässt und infrage stellst ob Unternehmensbeteiligungen das richtige Investment sind. Daneben liegen gehört beim Investieren dazu. Viel wichtiger ist seine Lehre daraus zu ziehen. Den Fakten ins Auge zu schauen und kritisch zu hinterfragen, wo man selbst hätte etwas besser machen können. An der Börse ist nichts so wichtig wie Erfahrung – die Guten, und leider auch die Schlechten!

Bist Du in Wirecard investiert oder hast mit Verlust verkauft? Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

Kapitalistische Grüße
Dirk

 

 

Kommentare

1
  • comment-avatar

    Deine Gedankengänge kann ich gut nachvollziehen. Mir ging es ähnlich. Ich habe die Shortseller Attacken in Zusammenarbeit mit der Berichterstattung der FT lange eher als Marktmanipulation eingestuft.

    Auch der Insiderkauf von Braun war für mich Bestätigung, dass bald alles ausgestanden sei. Als jedoch klar wurde, dass die 19 Mrd nicht existieren, war für mich der Ofen aus und ich habe mit 80% Verlust verkauft. Keine Lust wegen 20 Wirecard jetzt dauernd zu schauen, ob ein günstiger Verkaufskurs erreicht ist. Für mich war das jedoch gleichzeitig die Bestätigung, dass ich in Zukunft keinerlei Einzelaktien mehr kaufe. Und keinerlei Finanzpornografie mehr lese wo einzelne Werte besprochen und hochgejubelt werden. Mit dem MSCI World habe ich eine bessere Rendite als mit meinen diverse Aktien und das ohne jeden Aufwand.

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