HomeBlog

Geht der Euro (€) vor die Hunde?

Rekordverschuldung und schlechte Aussichten. Auch schon vor der Corona-Krise sah es nicht besonders gut aus in der Euro-Zone. Jetzt kommt ein großer Berg Schulden dazu. Ist Europa dem gewachsen und kann das der Euro überleben?

Euro Krise

Warum es den EURO gibt

Ja warum gibt es denn den Euro überhaupt? Der Euro sollte viel mehr als eine gemeinschaftliche Währung sein. Es ist ein Friedensprojekt. Er steht für die Einheit Europas und noch dazu birgt eine einheitliche Währung sehr viele Vorteile im europäischen Handel. Die Frage ist, wie intensiv haben sich die Politiker mit den wirtschaftlichen Folgen einer Einheitswährung auseinandergesetzt bei so unterschiedlichen Kulturen innerhalb Europas.

 

Die Probleme der Euro-Zone

Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der verschiedenen Länder war schon immer unterschiedlich. Ich stelle mir die Frage ob Politiker einen Traum verfolgt haben und dabei die Unterschiede Europas außer Acht gelassen haben. Hat man wirklich geglaubt ein Land wie Italien wird durch die Nordstaaten angesteckt und plötzlich flächendeckend produktiver? Wahrscheinlich haben sehr viele Politiker vor kulturellen Unterschiede die Augen verschlossen. Es gab nur noch ein Ziel, das Projekt Europa und man musste es irgendwie umsetzen. Sehr gewagt wie ich finde. Die Unterschiede sind nicht von der Hand zu weisen und seitdem wird rum-gedoktort. Die Euro-Zone wird nach und nach immer mehr zur Transfergemeinschaft. Das ist hier keine Polemik, noch dazu will ich in keinem Fall das Projekt Europa infrage stellen.

Aber die Fakten sind klar. Der Norden erwirtschaftet das Geld wovon der Süden durch die Transferleistungen profitiert. Bisher hielt sich das in Grenzen aber es wird von Jahr zu Jahr schwerer den Steuerzahlern der nördlichen Länder klar zu machen, warum sie mit Ihrer Arbeitsleistung den Süden finanzieren. Viele südliche Länder scheuen bisweilen große Reformen. Vor allem im Renten und Sozialsystem. Die Jugendarbeitslosigkeit wird höher, die Bevölkerung älter. Das ist heute schon ein Problem und es wird künftig noch ein viel größeres, wenn sich die Politik der Staaten nicht dazu durchringen kann Reformen durchzusetzen. Wie bei der Agenda 2010 in Deutschland werden es für viele Bevölkerungsgruppen einschneidende und weitreichende Reformen sein müssen. Es führt kein Weg daran vorbei, denn eines ist klar: Auch ohne die Corona-Krise wäre die „Party“ schon kaum noch zu finanzieren.

Die enorme zusätzliche Verschuldung

Die Zahlen sind enorm. Allein Deutschland macht 156 Mrd. Euro neue Schulden. Das Paket für Europa sieht 750 Mrd. Euro vor, zusätzlich zu den 1,1 Billionen Euro Haushaltspaket bis 2027. Das ist das erste Mal in der Geschichte, dass die EU ein schuldenfinanziertes Konjunkturpaket auf den Weg bringt.  Das ganze läuft über Anleihen. Viele sitzen ja dem Irrglauben auf, die Staaten würden sich alle gegenseitig Geld leihen. Dem ist nicht so. Das wäre nämlich besonders einfach. Wenn jeder jedem Geld leiht, könnte man ja alles gegeneinander aufrechnen und letztlich hat keiner mehr Schulden.

Das Geld kommt aber von Banken, Versicherungen und anderen Finanzmarktakteuren, die das Geld über Staatsanleihen letztlich in die Kassen spülen. Beim Anleihenmarkt ist das Vertrauen in die Staaten über die Fähigkeit die Schulden durch Ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wieder zurückzahlen zu können enorm wichtig. Schwindet das Vertrauen, werden die Anleihen teuer oder es besteht die Gefahr, dass die Staaten kein Geld mehr bekommen können.

Die große Frage die man sich stellen könnte: Wer und bis wann sollen diese unglaublichen Schulden jemals zurückzahlen? Natürlich die nachkommenden Generationen. Aber ist der Berg nicht langsam zu hoch? Kann der Euro diese Schulden überhaupt verkraften und weiterhin als einer der Weltwährungen agieren? Könnte womöglich eine Kettenreaktion ausgelöst werden, die den Euro in die Bedrängnis bringt?

Kinder zahlen die Schulden

Die Schulden an sich und deren Höhe sind meiner Meinung nach nicht entscheidend. Entscheidend ist das Vertrauen der Gläubiger in die Schuldner und da liegt für mich der Schlüssel zum Erfolg, ob wir einen guten oder schlechten Ausgang für den Euro sehen werden. Was meine ich damit? Ich meine damit das es nun auf die Politik ankommt, und zwar insbesondere der Politik in den südlichen Ländern.

Politik spielt eine große Rolle

Viele, vor allem südeuropäische Länder schieben längst überfällige Reformen vor sich her, und zwar seit Jahren. Das liegt vor allem daran, dass die Entscheidungen die getroffen werden müssen unpopulär sind und kein Politiker Wähler vergraulen will. Von Wahl zu Wahl werden die Themen aufgeschoben und man hofft, das jemand anderer das Problem löst. Das war auch die Hoffnung von Italien in Bezug auf die Transfers im Zuge der Corona-Hilfe. Gerne hätte man keine Koppelung an Auflagen gehabt. Denn genau das würde ein Land wie Italien und deren Politiker in die Situation bringen längst überfällige Reformen zu beschließen.

Auch wenn darüber nicht offen gesprochen wird, ich bin mir sicher das ist der Grund. Die sogenannten sparsamen 4 bestehend aus Niederlande, Dänemark, Österreich und Schweden haben die Thematik zwar vorangetrieben, aber ich bin mir nicht sicher ob Macron und Merkel für Deutschland und Frankreich hier keine Rolle vorgespielt haben. Wieso hat sich Deutschland und Frankreich gegen den Plan der sparsamen 4 gestellt? Auch Merkel und Macron wollen die Renten- und Sozialreformen bei den Transferempfängern. Auch ihnen müsste klar sein, dass ohne Druck keiner deren Politiker eine Reform vorantreiben wird.

EU Kommision

Am Ende hat man einen Kompromiss gefunden. Vielleicht ging es auch nur darum Merkel und Macron nicht als die Schuldigen da stehenzulassen. So nach dem Motto: Die großen und wirtschaftlich stärksten Nationen haben den Vorschlag der sparsamen 4 einfach durch gewinkt. Kam ja wie gerufen.

Diese Szenarien sind denkbar

Möglichkeit 1: Die Reformen kommen, der Euro bleibt
Die wohl beste Alternative. Wenn die Staaten die Reformen zeitnah in die Hand nehmen und in den kommenden Jahren umsetzen, wird einerseits die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Länder gestützt und andererseits schafft dies Vertrauen. Wie ich bereits beschrieben habe, steht und fällt meiner Meinung nach der Euro mit dem Vertrauen, den die Welt in die Währung hat. Es bestünde eine realistische Chance die enormen Schuldenberge irgendwann zurückzahlen zu können und die Länder können sich weiterhin günstig Geld beschaffen. Der Euro wäre auch für die kommenden Jahrzehnte sicher. Bei dieser Möglichkeit muss jedoch auch erwähnt werden, die Zinsen wären ebenfalls für die kommenden Jahrzehnte sicher – und zwar sicher tief. Ein höherer Leitzins würde das gesamte Kartenhaus in sich zusammenbrechen lassen. Die EZB wäre also gezwungen über einen langen Zeitraum die Zinsen beim Rekordtief zu belassen. Auch ein negativer Zinssatz ist unter den Umständen meiner Meinung nach durchaus möglich.

Möglichkeit 2: Die Reformen kommen nicht, für den Euro wird es eng
Eigentlich ist es keine Option. Die Reformen müssen früher oder später durchgesetzt werden. Die Frage ist nur wer macht es wann. Jetzt, wo klar ist das es keine oder nur wenig finanzielle Hilfe ohne Bedingungen gibt, wird die Zeit knapper. Ich bin nicht der Meinung vieler Crash Propheten, dass die Geldschwämme an sich für einen Dominoeffekt sorgen werden. Ich glaube weder an Hyperinflation, noch daran das die Höhe der Schulden für sich das Problem sind. Es geht wie gesagt nur um Vertrauen, denn solange Vertrauen da ist, fließt auch Geld in die Staaten um sich zu finanzieren. Wenn es aber nicht geschafft wird die längst überfälligen Reformen in den südlichen EU-Empfänger-Ländern durchzusetzen, wird sich die EU zunächst in eine NORD -SÜD Transferunion wandeln. Aber dieses Szenario werden die Steuerzahler Nordeuropas nicht auf Dauer hinnehmen. Der Euro ist dann zum Scheitern verurteilt.

Ist der EURO noch zu retten?

Sofern die Politik und Zentralbanken in der Lage sind Vertrauen zu schaffen oder aufrechtzuerhalten, dann JA, ansonsten wird es wirklich eng. Ein weiteres spannendes Thema wird sein, ob man zeitgleich zu den Reformen auch bestimmte Effizienzfragen in den jeweiligen Ländern anpacken wird. Der Wohlstand Europas basiert auf soziale Marktwirtschaft und nicht auf das Lenken der Politik. Wohlstand ist nur möglich, wenn es Menschen gibt, die mehr leisten. Menschen, die die extra Meile gehen und sich besonders anstrengen im Alltag. Auch der Wohlstand Deutschlands basiert überwiegend auf der Tatsache, das wir in den vergangenen Jahrzehnten darauf acht gegeben haben, dass es vorwärtsgeht. Derzeit sieht es so aus, dass unsere wenige amerikanische Unternehmen die Butter vom Brot nehmen. Die Automobilindustrie war sich lange Zeit viel zu sicher und nun ist Tesla mehr wert als alle deutschen Automobilhersteller. Die Leute gehen weniger in Geschäfte, stattdessen fließen die Gewinne über Amazon in die USA. Den Vorsprung bei den Internetfirmen will ich hier gar nicht erwähnen. Da sieht es ganz bitter für Europa aus.

EURO Skulptur

Was will ich damit sagen?

Der Euro ist zu retten, aber es muss was passieren. Europa darf sich nicht abhängen lassen und längst überfällige Reformen müssen endlich angepackt und umgesetzt werden.
Wenn das gelingt, sehe ich eine gute Zukunft für den Euro als Währung mit weiter wachsenden Wohlstand für Europa und das ganze unter extrem günstigen Zinsbedingungen für die nächsten 20-30 Jahre.

Wie siehst Du das?

Kapitalistische Grüße wünscht Dir,
Der Renditehai/Dirk

 

Kommentare

0

    Infoletter

    Kein Spam!
    Keine Werbung!
    ANMELDEN
    Du bekommst nur eine Mail bei neuen Artikeln oder brandheißen News vom Renditehai
    close-link

    ACHTUNG

    Die neusten Finanzthemen in Deiner Inbox. Kein Spam! Keine Werbung!
    Anmelden
    close-link
    Abonniere den Infoletter und hole Dir KOSTENLOS die Finanznews vom Renditehai in Dein Postfach
    Anmelden
    close-image