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Längst überfällig: Finanzbildung als Schulfach!

Es ist längst überfällig und ich frage mich wirklich, wann sich die Politik endlich mit der Finanzbildung junger Leute auseinandersetzen will. Weder in der Grundschule, noch in der weiterführenden Schule wird das Thema Geld aus meiner Sicht richtig thematisiert. Dabei ist es so wichtig, wichtiger denn je – wie man auch an der hohen Verschuldung der jüngeren Generation sehen kann. Hinzu kommt, dass sich die Art und Weise Geld zu investieren in den letzten 25-30 Jahren grundlegend verändert hat. Auch wenn wir immer noch einen Finanzminister haben, der für das Sparbuch wirbt, das Sparbuch ist die wahrlich schlechteste Art Geld zu investieren. Nicht mal als Geldspeicher ist das Sparbuch noch geeignet.

Finanzbildung Schule

Wie steht es um unsere Jugend?

Neulich habe ich gelesen, jeder Dritte Haushalt in Deutschland hat nichts auf der hohen Kante, also keine Ersparnisse. Jeder 7. Deutsche unter 30 Jahren ist bereits überschuldet. Wie ist sowas möglich? Schuld sind laut einigen Studien vor allem Handyverträge und die Leichtigkeit wie man sich vor allem bei kleineren Beträgen schnell verschulden kann. Vor allem auch von den Unternehmen werden durch Werbung falsche Signale gesetzt. Lange auf eine Anschaffung sparen und sich darauf freuen war gestern. 0 % Finanzierungen verlocken zum Kauf auf Pump. Hier eine Spielkonsole, da ein neues Handy.

Wenn man die erste Wohnung bezieht sind schnell einige Dinge des Hausstands finanziert und schneller als man schauen kann sitzt man auf mehrere hundert Euro Rate pro Monat. Offensichtlich scheinen viele nicht zu verstehen, dass die Dinge nicht auf einmal bezahlt werden müssen, aber sie müssen bezahlt werden. Also fehlt ab jetzt jeden Monat Geld, welches man hätte besser sparen sollen. Das Problem bei der Just-in-Time Befriedigung des Konsumverhaltens mit Zuhilfenahme von Finanzierungen ist, das man sehr schnell den Überblick verlieren kann.

Wenn die Eltern es den Kindern nicht beibringen bleibt nicht viel. Finanzbildung muss zum Schulfach werden. Nicht jeder studiert später Wirtschaft. Abgesehen davon, dass dieser Zeitpunkt eigentlich schon zu spät ist, werden selbst in den Studien nicht die Grundlagen des Umganges mit Geld besprochen. Als Kind, das in den 80ern aufwuchs, kenne ich noch Haben-Zinsen. Meine Eltern konnten mir noch beibringen was aus 100 DM werden, wenn man sie auf das Sparbuch legt und zu 5 % verzinst werden.

Heute funktioniert das nicht mehr. Eine ordentliche Rendite kann man eigentlich nur noch über Investitionen in Wertpapiere bekommen. Das wiederum scheuen die meisten Deutschen wie der Teufel das Weihwasser. Bis heute habe ich nicht verstanden wieso. Es kann ja nicht nur an der Telekom-Blase liegen, die vor 2 Jahrzehnten viele Menschen um die Altersrücklagen gebracht  hat. Es liegt vielmehr daran, dass sich zu wenige ernsthaft mit dem Thema Unternehmensbeteiligungen auseinandersetzen.

Wenn man die jungen Leute im Alter von 18 Jahren befragt ist das Ergebnis um den Wissensstand erschreckend. Es geht nur um schnellen Konsum. Höher, schneller und am besten noch weiter als alle Anderen. Natürlich denken nicht alle so, aber das Mindset im Allgemeinen ist stark verbesserungswürdig.

Was ist zu tun?

Ich erwarte gar nicht das sich das breite Volk mit der Börse beschäftigt und Unternehmen analysiert. Aber ein Grundverständnis zu haben wie man Geld für sich arbeiten lassen kann halte ich für wichtig. Mehr noch, es ist ein wichtiger Teil der Bildung.

  • Welche sinnvollen Investitionsmöglichkeiten gibt es?
  • Wie funktioniert passives Investieren, wenn man sich nicht tagtäglich mit den Unternehmen auseinandersetzen will?
  • Was ist ein ETF?
  • Was sind Sparpläne?
  • Usw.

Es ist einfach sehr viel nachzuholen. Meiner Meinung nach sollte man als Eltern anfangen. Man kann auch schon junge Kinder an Alternativen zum Sparbuch heranführen. Meinem Sohn habe ich im Alter von 8 Jahren das Thema Aktien versucht näher zu bringen. Klar, er hört natürlich viel darüber von Papa und fragt dann auch schon mal interessiert nach. Mittlerweile ist er Aktionär und ich habe ihm ein Depot bei Trade Republic eröffnet. Seine erste Aktie, die er sich selber aussuchte, weil er am Erfolg ganz fest glaubt war Walt Disney. Er macht sich selber Gedanken und das können die Kleinen richtig gut:

  • McDonalds schmeckt sehr gut und jeder mag McDonalds
  • Nintendo ist super
  • Jeder hat Amazon

Nur um mal ein paar Kommentare zu nennen. Dazu kann man den Kindern einen tollen Dividendenkalender erstellen mit den Logos der Unternehmen, auf dem sie sehen können, wann es wieder eine Zahlung gibt. Die Zinsen von Früher quasi. Das Schöne bei den meisten amerikanischen Aktien ist, dass sie 4 mal pro Jahr zahlen. Das hebt die Motivation bei den Kindern, wenn sie regelmäßig Erträge haben.

Viel wichtiger wäre es, wenn es Finanzbildung in der Schule gäbe. Als Pflicht-Schulfach ab der 3 Klasse. Wenn man das Thema Geld ab der Grundschule beginnen würde und die Grundlagen zum Verständnis schafft, dann kann man bis zur 10. Klasse ein wunderbares Fundament an Wissen legen. Ich bin mir sicher, allein mit dieser Grundbildung würde die Verschuldung und vor allem Überschuldung der jungen Generationen dramatisch zurückgehen. Ich habe das Gefühl, dass die meisten gar kein Gespür mehr für Geld und dessen Wert haben.

Darüber hinaus würden junge Menschen eine faire Chance bekommen vernünftig für die spätere Vorsorge im Alter zu investieren, statt vorgefertigte – stark staatlich regulierte Pakete von Versicherungsunternehmen zu besparen, wo am Ende die Rendite auf der Strecke bleibt.

Was ist Deine Meinung zu dem Thema Finanzbildung in der Schule?

Kommentare

2
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    Hallo Dirk,

    ja du hast recht. Es ist schon längst überfällig. Aber ich stelle mir die Frage wer soll die Kinder in der Schule unterrichten können. Die Lehrer können es selbst nicht. Meistens haben selbst keine Ahnung von Finanzen.. wer bleibt dann über? Niemand. Dann wird es kurz oder lang zu einer 2. Klassengesellschaft kommen müssen. Kinder mit wohlhabenden Eltern bringen es den Kinder selbst bei und schicken sie auf eine Privatschule.

    Da wird in den nächsten 10 Jahren nichts kommen. Das müssen wir selbst in die Hand nehmen.
    Schöne Grüße aus Münster Alexander

    • comment-avatar

      Hallo Alexander,

      ja da hast Du natürlich recht. Es fängt bei den Lehrern an. In Berufsschulen dürfte das nicht das Problem sein. Dort sind oft ehemalige Leute aus Industrie und Bankwesen als Quereinsteiger am Werk. Die Basics die an der Grundschule gelehrt werden müssten dürfte jeder Grundschullehrer mit einer erweiterten Fortbildung hinbekommen. Problematisch sind die weiterführenden Schulen. Dort wo das echte Fundament gelegt werden sollte. Wir müssen es wohl selber in die Hand nehmen:-).
      Viele Grüße, Dirk

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