Barbestand

Eine immer wiederkehrende Frage: Wie viel Cash ist eigentlich genug, wie viel ist zu viel? Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Meiner Meinung nach entscheidet hierüber zum großen Teil die persönliche Wohlfühlzone. Man muss aber ebenso aufpassen, dass man nicht dem Cashwahn verfällt und zu viel Barbestand auf Tagesgeldkonten oder Sparbüchern hortet. Was Viele vergessen: Das Geld auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto kostet Geld, und zwar mehr als man vermuten würde.

Barbestand

Die Wohlfühlzone

Es gibt viele Kennziffern zur Ermittlung der perfekten Cashquote. Die einen raten zum Beispiel man sollte mind. 6 Netto Monatsgehälter in Cash vorhalten. Andere halten die Cashquote sehr gering. Meiner Meinung nach spielen die persönlichen Lebensumstände und die Wohlfühlzone eine sehr wichtige Rolle bei der Entscheidung wie hoch die Cashquote sein sollte. Aber auch die Marktlage kann Einfluss nehmen.

Vielleicht überlegt man sich besser: Was könnte kurzfristig ersetzt werden müssen (Haushaltsgeräte, Auto etc.). Bin ich in einem sicheren Job? Habe ich einen unbefristeten Arbeitsvertrag? Wenn man einen Wert ermittelt hat legt man noch seine Wohlfühlzone daneben. Ich habe schon oft gehört, wenn ich nicht weiß, dass ich mind. 10.ooo Euro direkt bar zur Verfügung habe, dann habe ich kein gutes Gefühl. Auch das ist völlig in Ordnung. Schließlich soll jeder nachts gut schlafen können.

Die Marktlage

Ganz wichtig! Denn die Marktlage spielt bei der Höhe der Cashquote eine wichtige Rolle. Das Problem hier: Es klingt in der Theorie einfach aber in der Praxis weiß man nie genau in welcher Marktlage wir uns befinden. Ein Beispiel: Natürlich wäre es super gewesen, wenn man idealerweise kurz vor dem Corona-Crash seine Depotposition abgebaut hätte und dann für eine Weile einen hohen Cash-Bestand hält. Wer hier regelmäßig mitliest weiß, das ich diesen Zeitpunkt tatsächlich abgepasst hatte. Allerdings aus reinen Zufall. Natürlich habe auch ich den Corona-Crash nicht kommen sehen. Ich hatte damals andere Motive meine Positionen zu verkaufen, Gewinne zu realisieren und den Chash-Bestand aufzubauen. Idealerweise kauft man sich dann wieder ein, wenn der Markt am Tiefpunkt ist. Aber wer weiß schon, wann dieser ist? Auch ich habe natürlich nicht den Tiefpunkt getroffen aber ich habe mitten in der Krise zu guten Kursen eingesammelt. Der DAX stand als ich startete zu kaufen bei etwa 9200 Punkten. Den Markt richtig einzuschätzen ist schwer, aber jeder muss da selber ein gewisses Gefühl entwickeln. Auf der anderen Seite mache ich solche Aktionen ehe eher selten, da ich ja stur und stetig – Monat für Monat mein Depot aufbaue und nicht so sehr auf Mark Timing achte. Aber bei der Frage der Höhe der Cashquote kann die Marktlage helfen, denn die Quote muss ja nicht immer dieselbe sein. Es ist aber wunderbar, wenn man Mitten in der Krise noch genug Kapital hat um günstig Aktien zu kaufen. Die Entwicklung meines Depots seit April gibt mir da wieder recht.

Die private Situation

Auch diese ist wichtig.  Erwarten mich kurzfristig hohe Ausgaben? Habe ich vor ein Eigenheim zu kaufen? Bin ich womöglich Selbstständig oder bin Eigentümer eines Unternehmens? Die Krise hat uns auch hier wieder gezeigt, welch niedrige Finanzpolster einige Unternehmen haben. Getrieben durch Konkurrenzdruck und Konsumrausch sind viele Geschäfte so schlecht aufgestellt, dass sie nicht mal ein Polster haben um Ihre Kosten und Gehälter für 1-2 Monate zu tragen, auch wenn es keine Einnahmen gibt. Das ist wirklich sehr schade und hier ist ein Umdenken von Allen erforderlich. Müssen wir wirklich 1 kg Hähnchenkeulen für 2,99 Euro kaufen können? Geflügelbauer müssen so Millionen von Tiere halten, um überhaupt eine Marge zu erzielen, um über die Runden zu kommen. An Finanzpolster ist da nicht zu denken, geschweige denn an artgerechter Tierhaltung. Das ist ein anderes Thema aber auch hier werden durch die aktuelle Krise viele Felder beleuchtet, die wir bis dato sagen wir nicht gerade auf der Prio Liste hatten. Jetzt bin ich aber etwas vom Thema abgekommen.

Die Verfügbarkeit

Wie schnell komme ich an mein Geld dran, wenn ich es wirklich brauche. Das ist neben vielen anderen Gründen einer der Hauptgründe warum ich mich damals mit dem Aktienmarkt beschäftigt habe, anstatt in Immobilien zu investieren. Auf der einen Seite habe ich meinen Wohlfühl-Cash-Bestand für Investitionen die anfallen, mit denen man nicht direkt rechnet. Auf der anderen Seite weiß ich aber auch: Im Notfall bin ich einen Knopfdruck entfernt um an mein gesamtes in Aktien und ETFs investierte Kapital zu kommen. Das geht schnell. So schnell kann ich keine Immobilie verkaufen. Ich bin also auch im Notfall innerhalb von 24h „flüssig“. Das hilft mir auch dabei meine eigene Cashquote geringer zu halten.

Ich selber neige eher dazu, zu viel Barbestand zu haben. Die alte Spar-Mentalität halt. Natürlich weiß ich selber, das Geld auf dem Tagesgeldkonto weniger statt mehr wird. Ich muss an dieser Stelle auch an mir arbeiten. Ein kleiner Trick hat mir hier aber auch wieder geholfen. Mittlerweile habe ich einen Großteil des Depots bei derselben Bank wo mein Tagesgeldkonto ist. Das hilft beim Blick in der Übersicht, dass das Geld ja nicht weg ist, nur in einer anderen Zeile steht. Man muss sich hier manchmal auch selber erziehen.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen guten Start in die Adventszeit und hoffe auf eine Fortsetzung der Rallye zum Jahresende.
Ich wünsche Euch gefüllte Depots!
Dirk

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RenditeHai

Trading & Investing

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