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Die Börse im Crash: Jetzt schon nachkaufen oder warten?

Wenn diese Frage leicht zu beantworten wäre, wäre ich schon längst sehr reich. Letztlich muss natürlich jeder selber für sich einschätzen, ob es sinnvoll ist noch zu warten oder schon zu kaufen. Es gibt keinen Indikator, der einem sagt, wann man kaufen soll. Das Einzige, was man als Anhaltspunkt zurate ziehen kann, ist die Historie. Jetzt kommen natürlich die Ersten mit dem Einwand: In der Historie war es anders, es ist nicht vergleichbar jetzt usw. Dem stimme ich nur eingeschränkt zu. Mehr dazu später. Wollen wir erstmal ein paar Fakten schaffen.

Börsencrash 2020

So lief der Börsencrash 2020 ab

Schauen wir uns erst einmal an was bisher passiert ist. Meiner Meinung nach lief der Crash dieses Mal ab wie im Bilderbuch. Wer wie ich viele Bücher über Finanzen und Börse gelesen hat und Revue passieren lässt was seit Januar 2020 passiert ist, muss zum selben Schluss kommen wie ich. Da wären die 5 klassischen Phasen der Angst wie ein Crash abläuft. Besser als an dem Beispiel jetzt kann man es kaum anschaulicher beschreiben.

Phase 1: Die Verleugnung

Wir sind im Januar 2020:  In China werden Städte abgeriegelt. Das Virus scheint sich rasant zu Verbreiten und es sterben Menschen. Kann man den chinesischen Statistiken trauen? Jeder im Westen lebende Mensch weiß, dass er misstrauisch sein muss, wenn Zahlen aus der Volksrepublik propagiert werden. Die Wirtschaft in China kommt praktisch zum Erliegen. Was passiert an den Börsen? Die Kurse steigen! In Europa und den USA scheint sich der unbeugbare Optimismus rund um das Virus eingestellt zu haben. Man hört Sätze wie:

  • Das ist ein chinesisches Problem
  • So schlimm kann es nicht sein, ist nur wie eine Grippe – da sterben auch jedes Jahr viele Menschen aber in den Nachrichten liest sich davon nichts.
  • Die Medien haben ein Loch und brauchen etwas worüber Sie berichten können.

Anstatt die Börsen kollabieren, steigen die Kurse weiter. Eine klassische Verleugnung an den Märkten. Wer hier schnell ist und Phase 1 enttarnt, der hat allen anderen Markteilnehmern gegenüber einen großen Vorteil. Er sichert sein Depot entweder ab oder realisiert schnell Gewinne und vergrößert damit sofort sein Cash Bestand um später wieder günstig zukaufen zu können. Ich gebe zu, das ist verdammt schwer. Das können nur wenige.

Ich persönlich habe tatsächlich am 10. Januar mein gesamtes Depot welches massiv im Plus war verkauft. ABER: Ich habe es nicht wegen dem Virus gemacht. Diesen habe ich selbst zu dem Zeitpunkt nicht als gefährlich eingestuft. Es hatte für mich einen anderen Grund. Ich hatte das Gefühl, das spätestens im Frühjahr die Börsen massiv korrigieren würden. Mir war alles „zu heiß“ gelaufen und hey, mein Depot hatte eine super Performance hingelegt und ich dachte an die Börsenweisheit: An Gewinnmitnahmen ist noch nie jemand gestorben. Natürlich wollte ich der Börse nicht den Rücken kehren. Ich wollte Cash machen und auf einen guten Wiedereinstieg nach einer Korrektur warten. Hatte also zugegeben Glück gehabt. Den richtigen Instinkt was das Ergebnis anging hatte ich, aber nicht in Bezug auf die Ursache.

Panik Verkauf
Phase 2: Der panische Ausverkauf

Jetzt geht es rund. Die Gefahr wurde erkannt und die Panik an den Märkten kocht hoch. Meist ist es ein besonderes Ereignis, welches diese Reaktion dann zum Auslösen bringt. In diesem Fall waren es die Nachrichten aus Italien. Eine massive Ausbreitung binnen weniger Tage und in diesem Zuge eine plötzliche Überlastung des gesamten Gesundheitssystems. Viele Tote waren die Folge. Das Virus ist in Europa angekommen – China hat offensichtlich die Wahrheit geschönt.

Historisch betrachtet ist es nun zur Kernschmelze gekommen. Noch nie haben die Indizes so schnell so massiv an Wert verloren. Woran liegt das dieses Mal? Da gehen die Meinungen auseinander. Ich habe meine eigene Meinung dazu.

Zum einen spielen Computer und automatisierte Handelssysteme eine immer größere Rolle an den Märkten. Computer handeln im Vergleich zum Menschen nicht rational. Na gut, Menschen tun das auch nicht immer. Computer machen das, was man Ihnen vorher gesagt hat was sie tun sollen. Programmierer der Handelssysteme verwenden oft markante chart-technische Marken. Werden diese durchbrochen wird der Verkaufs-Mechanismus ausgelöst. Da viele Markteilnehmer dieselben markanten Preisschwellen auswählen kommt es zu einer Art Domino-Effekt.

Eine andere wichtige Rolle spielen meiner Meinung nach die Risikobudgets der institutionellen Anleger. Fonds und Versicherungen haben strikte Budgets. Sie garantieren Ihren Kunden im Falle von Versicherungen sogar eine gewisse Performance. Da diese Institutionen an den Anleihenmärkten oder anderen vergleichsweise sichereren Assetklassen in den vergangenen Jahren keine Rendite machen konnten, wurde immer mehr auch in Aktien investiert. Schließlich musste mindestens die an den Kunden zugesicherte Rendite eingefahren werden. Jetzt kommt das Problem. Institutionen haben klare Risikobudgets. Werden durch Kursverluste diese Risikoschwellen durchbrochen, müssen sie schon aus Compliance Gründen verkaufen. Jetzt sind also die Player im Markt die Positionen in Größen verkaufen, die massiv Kurse bewegen. Der Domino-Effekt nimmt weiter Fahrt auf. Ein Zeichen dafür ist meist, das plötzlich Unternehmen unter die Räder kommen, die durch das Ereignis gar nicht so betroffen sind, ggf. sogar von der Krise profitieren könnten. Jetzt startet der Ausverkauf auf breiter Front.

Als Dritter, nicht unerheblicher Punkt sehe ich die ETFs. Der Anteil an ETFs ist in den letzten 10 Jahren massiv angestiegen. Wenn jetzt Privatanleger aus Panik Ihre ETFs verkaufen, sind die Herausgeber gezwungen sich von Ihren Aktien zu trennen, die den ETF letztlich spiegeln. Da viele breit aufgestellte ETFs eben auch diese Qualitätsunternehmen im Portfolio haben, ist dies ein weiterer Grund warum vermeintlich krisensichere Unternehmen trotzdem massiv unter Kursrücksetzer zu leiden haben.

Phase 3: Stabilisierung und leichte Erholung

Heute, am 05.04.2020 wo ich diesen Artikel schreibe, sind wir vermutlich genau in dieser Phase. Kurse haben sich in den vergangenen 10 Handelstagen unter starker Volatilität etwas stabilisiert, obwohl es noch keine Lösung für Corona gibt. Weder ein Impfstoff, noch ein Medikament. In den USA liegt die Verdoppelung-rate bei 5 Tagen. In Deutschland haben wir es immerhin durch Kontakteinschränkungen auf 11 Tage geschafft. Es ist gut möglich das wir Phase 4 und 5 gar nicht mehr sehen. Das wissen wir vielleicht in einem Jahr. Ich persönlich fange jetzt an meine Positionen wieder aufzubauen. Ich weiß, dass ich den perfekten Zeitpunkt nicht abpassen kann und möglicherweise geht der Markt auch ab jetzt schon wieder hoch. Vielleicht geht es auch noch weiter runter. Deswegen gehe ich nicht zu 100 % in den Markt, sondern kaufe sehr diversifiziert Woche für Woche Positionen. Ich will immer noch genug Cash haben, um Pfeile im Köcher zu haben, wenn es noch tiefer geht.

Phase 4: Bärenmarkt Rallye

Sind die langfristigen Folgen für die Wirtschaft gravierend, kann es auch zur Phase 4 kommen. In der Phase 4 findet ein langsamer, stetiger Ausverkauf statt, der sich über Monate ziehen kann. Wir befinden uns dann in einem Bärenmarkt.

Kapitulation

Phase 5: Kapitulation – jetzt muss alles raus

In der Phase 5 kapitulieren die letzten Optimisten die über die vergangenen Monate an Ihre Positionen geglaubt haben und sich jetzt auch noch von Ihrem Investment trennen, um den Schaden so weit es geht zu Begrenzen. Ist dieser Prozess abgeschlossen, ist der Boden da. Jetzt kann es nur noch in eine Richtung gehen, und zwar nach Oben.

Mein Fazit

Ich glaube an unsere Wirtschaft und an unser System. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Welt schon viel schlimmere Krisen überstanden hat. Schließlich hatten wir 2 Weltkriege, den kalten Krieg und vieles mehr in den vergangenen 120 Jahren der Börsengeschichte. Corona trifft vor allem Menschen mit Vorerkrankung und ältere hart. Für die Leistungsträger der Wirtschaft ist zumindest die Krankheit selbst nicht gefährlich. Natürlich bleibt es abzuwarten was unsere Politik jetzt daraus macht. Am Ende ist noch immer alles jut jejange wie wir im Rheinland sagen.

Historisch betrachtet war noch kein Crash so schnell und massiv. Welche Gründe das meiner Meinung nach hat habe ich aufgezeigt. Ja – dadurch ist es dieses Mal anders, aber das bedeutet nicht das sich nicht alles sogar sehr schnell wieder erholen kann, sobald das Virus in den Griff zu bekommen ist. Ich vertraue unserer Forschung und die Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung. Sie werden sie auch dieses Mal finden und alle die nicht in dieser Krise Ihre Depots gefüllt haben werden auch in einigen Jahren wieder sagen: Hätte ich mal. Hätte – Hätte – Fahrradkette. Dann kann man natürlich auch noch Aktien kaufen, aber schlauer wäre es, dies jetzt zu tun. Und wer weiß schon, wie viele neue Chancen dieser Crash für die Menschheit noch haben kann.

In diesem Sinne wünsche ich Gesundheit und Mut!
Kapitalistische Grüße

Dirk

Kommentare

2
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    Hallo Dirk,

    ich gehe auch davon aus, dass wir nur in einer Phase vorübergehender Erholung sind. Für mich ändert das nichts. Ich bleibe so oder so investiert und meine Sparpläne laufen weiter, da ich von Buy and Hold überzeugt bin. Bei einem ETF-Portfolio ist das aber natürlich auch nicht so riskant wie bei Einzelaktien. Hier musst Du natürlich schon genau anschauen, ob derartige Verwerfungen nicht langfristige Auswirkungen auf das jeweilige Geschäftsmodell haben.In jedem Fall ein schöner Blog! Viele Grüße, Rolf

  • comment-avatar

    Hallo Dirk,

    weltweit sind die Geschäfte nach wie vor weitestgehend zu (sinkende Umsätze), aber die Fixkosten sind konstant, bedeutet Gewinnrückgang.

    Das wird die überwiegende Mehrheit aller Unternehmen betreffen.

    Momentan erholt sich die Börse vom Crash im April, weil Hoffnungen auf einen Impfstoff überwiegen und wegen niedriger Zinsen (Anlagenotstand).

    Die Ergebnisse der Unternehmen (Aktien) werden im jetzigen Quartal einigermaßen katastrophal sein.

    Im Laufe des Jahres wird es sich wieder positiver entwickeln, aber nur langsam.

    Wie die Börse auf die unvermeidlich schlechten Ergebnisse für 2020 reagiert, ist unklar.

    Ich erwarte einen weiteren erheblichen Börencrash… und kaufe dann Aktien nach.

    Aber es wäre auch nicht das erste Mal, dass ich bei der Einschätzung der zukünftigen Börsenentwicklung falsch liege.

    Schöne Grüße

    Uwe

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