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Bärenmarkt der Superlativen: Warum Du einfach ruhig bleiben solltest!

Ohne Frage befindet sich die Welt im Ausnahmezustand. Das die Börsen auf das Coronavirus ebenfalls reagieren mussten war klar. Dass sie es verhältnismäßig spät getan haben liegt am Verlauf der Panikphasen an den Märkten wie ich in meinem Artikel (Die Börse im Crash: Jetzt schon nachkaufen oder warten?)  beschrieben habe. Auch die Tatsache das wir uns in einem Bärenmarkt befinden ist unumstritten aber das es so schnell und so massiv bergab ging ist die erste von vielen Superlativen im Zusammenhang mit diesem Börsencrash.
Bärenmarkt

Superlative #1: Noch nie so schnell so tief

Der Zeitpunkt bis der Abverkauf startete, war relativ spät. Lange haben die Märkte das Virus ignoriert und waren guter Hoffnung das es nur ein asiatisches Problem sei. Die Kurse stiegen sogar noch im Januar. Als es dann losging, war es wie eine Lawine. Noch nie zuvor haben die Indizes so schnell soviel an Wert verloren. Der DAX hat von seinem Hoch bis zum vorläufigen Tief in knapp 3 Wochen stolze 40 % abverkauft. Das ist in der Geschichte einmalig. Dass wir uns so rasant schnell in den Bärenmarkt begeben,  hat außer den Crash Propheten keiner vermutet. Aber gut, die Crash Propheten befinden sich ja ständig mental im Bärenmarkt.

Superlative #2: Rettungspakete ohne Grenzen

Olaf Scholz holt die „Bazooka“ raus. Die Wirtschaft bekommt die Zusage der vollen Unterstützung. Es gibt kein Limit. Anders als zur Finanzkrise 2008 wo man zwar den Sparern die Einlagen garantiert hatte, scheint es dieses Mal kein Limit an Hilfen für die Wirtschaft zu geben. Binnen weniger Tagen wird das vereinfachte beantragen von Kurzarbeitergeld verabschiedet. Unternehmen können sich zügig über die KFW Bank Kredite holen die sofort ausgezahlt werden.

Deutschland hat in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet. Allein die Bundesagentur für Arbeit hat eine gut gefüllte Kriegskasse mit 26 Milliarden Euro. Der Sparkurs der Regierung kommt uns jetzt zugute. Deutschlands Bonität ist sehr gut. Reichen die Kriegskassen nicht aus, können wir uns günstig wie kaum ein anderes Land Geld am Markt besorgen.

Aber nicht nur Deutschland verabschiedet große Rettungspakete. Der US Senat beschließt ein Rettungspaket in Höhe von sage und schreibe 2 Billionen Dollar.

Superlative #3: Die Verschuldung der Staaten

Die Staaten der Welt werden Verschuldungsquoten erreichen, die die moderne Welt noch nicht gesehen hatte. Viele Länder wie Griechenland und Italien haben eh schon eine viel zu hohe Verschuldungsquote. Ohne Hilfen anderer Staaten wird das nicht gehen. Viele Staaten überschulden sich wegen der Corona-Krise um ein vielfaches Ihrer Wirtschaftsleistung. Es wird Jahrzehnte dauern bis diese schnell gemachten, hohen Schulden zurückgezahlt sind. Es gibt aber keine Alternative. Die Welt befindet sich im Verschuldungs-Superlativ. Entweder alle ziehen mit und machen den Graben noch mehr auf oder die Weltordnung kann so nicht mehr existieren. Da dies keiner ernsthaft will, werden alle Staaten, Institutionen wie EZB und IWF alles daran setzen noch mehr Geld zu „drucken“. Ob das der richtige Weg ist, wird sich zeigen. Fakt ist aber: Es ist alternativlos.

Superlative #4: Die Zinsen bleiben niedrig

Die Zinsen waren in Europa seit der Finanzkrise schon auf Tiefstand und haben sogar Minus-Bereiche erreicht. Banken haben unter den niedrigen Zinsen in den vergangenen Jahren gelitten. Wegen wirtschaftlich schwächeren Ländern der EU und der Eurokrise war es bislang der EZB nicht möglich die Zinsen zu erhöhen. Staaten wären faktisch von einem Tag auf den anderen insolvent geworden.

In den USA hat man schrittweise in den letzten Jahren den Leitzins erhöht. Die FED war mittlerweile auf einen Stand von 2 %. Durch die Krise wurden die Leitzinsen in den USA sofort gesenkt. Derzeit taxiert der US Leitzins bei 0,25 %. Es ist nicht ausgeschlossen das er auf Euro Niveau absinken wird.

Leitzins

Die Superlative dabei ist, dass meiner Meinung nach eine Wende beim Leitzins nicht möglich sein wird. In Europa rechne ich mit einem Niedrigzinsniveau in den kommenden Jahrzehnten. Anders können die meisten Staaten der EU die Verschuldung nicht stemmen. Aber auch die USA wird lange an Ihren 2 Billionen Dollar zu arbeiten haben. Auch aus Sicht von Wettbewerbsfähigkeit dürfte die USA eher mit Europa gleichziehen. Vermutlich werden wir in den kommenden 50 Jahren keine Leitzinsen über 1 % sehen.

Warum sollst Du ruhig bleiben in diesem Bärenmarkt?

Du kannst Dich also zurücklehnen und abwarten. Das was langfristig orientierte Investoren so oder so machen sollten. Meiner Meinung nach werden die Staaten und Institutionen alles daran setzen um unser System von Geld und Wirtschaft am Laufen zu halten. Sie sind bereit Summen bereitzustellen, wie es noch nie zuvor der Fall war. Die Zinsen bleiben niedrig. Dadurch sind andere Anlageformen wie Anleihen nicht mehr interessant. Wo soll das ganze frische Geld hin, wenn nicht in die Aktienmärkte wo letztlich die Renditen durch die wirtschaftliche Leistung erzielt werden. Ein klarer Indikator war für mich, dass nach dem Abverkauf auch eine sehr schnelle Zwischenerholung stattgefunden hat. Ob diese nachhaltig sein wird, muss sich noch zeigen. Möglicherweise ist es nur eine kurze Erholung aber manche Unternehmen haben bereits 20-25 % Ihrer Kursverluste innerhalb weniger Tage wieder zurückgewonnen. Warum? Weil das Geld irgendwo hin muss. Jeder kleine Hoffnungsschimmer auf Besserung in der Corona-Krise wird aufgekauft. Derzeit haben wir eine „V“ Erholung.

Ich denke zwar das viele unsichere Anleger auch nochmal verkaufen werden, wenn Ihr Depot ins plus rutscht und wir eine zweite Verkaufswelle sehen werden, aber ob diese bis zurück an die -40 % Tiefs reichen wird, wage ich zu bezweifeln. Als langfristiger Investor habe ich bereits nach und nach gekauft und werde bei einem weiteren Rücksetzer weiter nach kaufen. Ich bin davon in überzeugt, dass wir in einigen Jahren wieder Rekordkurse in den Indizes sehen werden und sobald ein Impfstoff in greifbarer Nähe rückt, ist der Bärenmarkt Geschichte.

Wie immer ist dies keine Anlageberatung oder Empfehlung in irgendeiner Art und Weise an der Börse zu handeln. Die geschilderten Sachverhalte spiegeln lediglich meine persönliche Meinung wider.

Ich wünsche uns allen das wir gut durch die Krise kommen.

Bleibt gesund und munter!

Dirk

Kommentare

2
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    Hallo Dirk! Super Artikel und alles hervorragend und verständlich erläutert. Ich bin deiner Meinung und als langfristige Investorin diversifiziere ich mein Portfolio weiter wenn die Kurse attraktiv sind und dann bleiben die Aktien da wo sie sind. Mein Depot schaue ich nur selten an.

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      Vielen Dank liebe Rina. Das ist auch meiner Meinung nach der richtige Weg. Es fällt mir aber trotzdem schwer nicht täglich ins Depot zu schauen. Solange ich mich aber nicht zu „schlechten“ Handlungen verleiten lasse ist das für mich in Ordnung:-)

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